Macht Laune: Ratten, Rochen, Buchinger

Was ist was?

04.20 Uhr: Die ersten beiden Bahnen von Berlin nach Düsseldorf fallen aus. Zur dritten um 05.30 gibt’s noch keine Infos. Beide Strecken, die über Hannover und die über Frankfurt, waren am Abend zuvor nicht befahrbar.

Sechs Wochen später bitte ich einen unschlüssigen Gecko, es sich noch einmal zu überlegen. Nicht ins Wohnzimmer. Gleich schließe ich die Tür und fahre ans Meer.

Das Schwitzen hat nachgelassen.

Zwei Wochen lang erreichte Katalonien 38 °C bis 42 °C. Mindestens einer schwächelte – reihum. Jeden Tag ein anderer. Nicht einmal die 8 Kilometer zum Restaurant in Sant Miquel fahren wir gemeinsam. Ich wähle das Fahrrad, was bewirkt, dass sich am Ziel das trockene Hemd beim Überstreifen zu durchnässt verdunkelt. Der Kellner trägt sein Hemd leger. Nur der unterste Knopf ist zugeknöpft. Ein Grund, warum ich mich in diesem Restaurant so wohl fühle. Der Gecko streckt mir sein Hinterteil entgegen.

Im Idealfall, bzw. laut Fahrplan, wäre ich 3 Stunden vor Abflug am Ryanair-Flughafen in Weeze angekommen. Nach ein paar Unwägbarkeiten und Stoßgebeten bleibt mir noch eine Stunde.

Ein Desaster – alles voller Ratten!

Ah, ich hatte noch nicht erwähnt, dass ich seit 2 Tagen faste. Nach Buchinger. Das heißt: Abends eine heiße Brühe, möglichst mit beschissenem Geschmack, dafür mental belastungsfrei.

Noch im 4. Zug an diesem Morgen erreicht mich eine SMS von Manolo aus Spanien: Ein Desaster – alles voller Ratten!

Xi-bec-bec-bec-bec-ahhhh

Xibeca schmeckt in allen Lebenslagen. Außer zum Fastenbrechen. Aber bei Rattenkontakt bewirkt es Wunder. Selbst bei 38 °C und der Übernachtung in der rattenfreien Dachkammer. Die Viecher sind hartnäckig. Ich wische die Küche und die umliegenden Zimmer und hoffe auf Manolos Antirattentechniken. Doch am nächsten Morgen ist wieder alles vollgekackt. 3 Familiennester habe ich ausgemacht. Doch in echt sind es 9: im Gasherd, in der Bettdeckensammlung im Durchgangszimmer, in der Speisekammer hinter den Geschirrtüchern, im Bücherregal und diverse im Keller. Neben der gemeinen Hausratte hat sich noch die Mandelratte breit gemacht. Eine Ratte, die spielend die dünnsten Äste erklimmt um Mandeln zu ernten.

Buchinger mahnt zur Ruhe

Dementsprechend sind selbst die Kisten, die oben in den Regalen stehen, bekackt und alle Vorräte aufgebrochen. Zerpflückte Reispackungen finden wir in den Rättinnennestern, Tetrapacks aufgebissen und Einmachgläser auf dem Boden verteilt. Doch Buchinger mahnt zu Ruhe und Bewegung. Daher ab aufs Rad, ab ans Meer. Anfang Juli sind noch nicht alle in Ferien. Dort, wo der Fluvià in die Bucht von Roses mündet, ist der kilometerlange Strand fast menschenleer. Das macht das Mittelmeer so gefährlich.

Geckos sind Allesfresser

Sie können sogar Skorpione fressen – die mit dem giftigen Stachel. Meiner nicht. Er ist so klein und süß, dass er nach 2 Tropfen Xibeca forsch in Richtung Sofa vordringt. Ich werte das positiv. Es bestärkt die Vermutung, dass wir seit drei Wochen rattenfrei sind.

Über Nacht fräst die Schreinerratte

Peligro ruft ein Pärchen

… vom Strand in meine Richtung. Ich plantsche im hüfthohen Wasser und vermute eine Feuerqualle. Komisch, ich hatte das glasklare Wasser inspiziert, aber keine Quallen gesichtet. Ungläubig nähere ich mich und blicke plötzlich in die dunklen Augen eines 80 cm breiten Stachelrochens. Fasziniert folge ich ihm ein paar Meter und entschuldige mich, ihn aufgeschreckt zu haben. Das Paar meint, man müsse die Polizei verständigen. Zu Hause finde ich Artikel, die bestätigen, dass diesen Sommer an der Costa Brava schon Strände tageweise die rote Flagge hissten, weil mehrere Stachelrochen gesichtet worden waren.

Aufgeknöpft

Ende August sitzen der Gecko und ich in Sant Miguel am Tresen. Die Hitze ist zurück – das Hemd aufgeknöpft. Der Gecko lauscht den Tiergeschichten und lächelt gequält. Dann steigt er aufs Fahrrad, auf dem Gepäckträger ein altes Was ist was?-Buch aus den 70er Jahren, Thema Stachelrochen im Mittelmeer, und steuert der Abendsonne entgegen.


Bild im Header: Bob Grg, Pixabay
Text und Rattenfotos: Dirk Klaiber