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[kol_1]Hopfiges: Cintra, Sagres und Super Bock (Portugal)
 
Portugiesisches Bier – ist das nicht eigentlich schon ein Widerspruch an sich? Gibt es an Europas westlichem Endstück denn nicht nur Wein? Drei Biersorten liefen uns in Lissabon über die Leber, und wir fühlten ihnen dabei kräftig auf den Zahn.

Als erstes begegnet uns Sagres, als wir im Supermarkt nach einem geeigneten Begleiter für den Ziegenkäse und die knoblauchverseuchte Chouriço-Wurst suchen. 5,1% Alkoholgehalt, da kann man nicht meckern, und der mit der Wurst gemischte Ziegenkäse lässt sich wunderbar mit einem kräftigen Schluck aus der Dose herunterspülen.

Am nächsten Tag treffen wir noch einmal auf Sagres. Diesmal probieren wir es ohne Nahrungsbeilagen, und siehe da, was für ein kräftiges und würziges Bier. Es blubbert und pfeift nur so im Mund, dass es eine reine Wonne ist. Das hätten wir nicht von einem portugiesischen Bier erwartet, seien wir doch mal ehrlich, oder?

Um so erstaunlicher, dass es hierzu noch eine Steigerung geben sollte: Super Bock - "o sabor authéntico", der "authentische Geschmack"! Nun, der Name kommt einem eher etwas deutsch vor, und ungute Erinnerungen an - um nicht bayrisch sagen zu müssen - süddeutsches Bier werden da wach.

Doch zu Unrecht! Super Bock macht wirklich super bock. Es ist noch würziger als Sagres, vollmundig im Geschmack, kräftig in der Gurgelphase und 1A in seinem Wasserstoffbrückenbindeverhalten! Und mit 5,6% Alkoholgehalt laufen sich Lissabons hügelige Strassen doppelt so gut. Ist es nicht eine Freude, dass das Leben einen noch dermaßen überraschen kann?

Umso verheißungsvoller lächelt uns da von der Theke Cintra an, das mit dem schmissigen Slogan "o sabor da conquista", "der Geschmack der Conquista" daherkommt. Was ein dämlicher Slogan! Und schon nach dem ersten Schluck schauen wir etwas erstaunt drein. Reißen geschweige denn erobern kann man mit diesem Wasserpunsch eigentlich gar nix, es sei denn man füllt die zu Erobernden vorher damit ab und hofft darauf, dass ihnen ihre Blase dazwischen kommt, wenn es um die Big-Points geht. Wo sind denn da die 4,8% Alkohol versteckt? Im Bier auf jeden Fall nicht.

Fazit: Wer in Portugal unterwegs ist, muss nicht ständig Portwein saufen. Portugals Bierlandschaft erstaunt doch ungemein durch würzige und – zumeist – kräftige Vollmundbiere. Doch Vorsicht, vor lauter Getreidegeschmack sollte einem nicht entgehen, dass die Biere zumeist gut schüssig sind und gerne starke Kopfschmerzen nach sich ziehen!

Bewertung Portugiesisches Bier

1. Hang over Faktor
(4 = kein Kopfschmerz):
2. Wohlfühlfaktor (Hängematte)
(4 = Sauwohl):
3. Etikett/Layout/Flaschenform
(4 = zum Reinbeißen):
4. Tageszeit Unabhängigkeit
(4 = 26 Stunden am Tag):
5. Völkerverständigung
(4 = Verhandlungssicher):

Text + Foto: Thomas Milz

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